Die Wurzel der Alraune

Sonntag, 24. April 2016


Sie nannten sie die Alte. Eine alte runzelige Frau, die mit den Sa me Arquanas versteckten Handel trieb. Ob bei ihr das Serum nicht gewirkt hatte oder sie keines bekommen hatte wussten die Arquanas nicht. Sie hatten gelernt das Schicksal anderer nicht zu hinterfragen und einfach zu akzeptieren. Sie trafen die Alte von Zeit zu Zeit an einem vereinbarten Ort zu einer vereinbarten Zeit. Meist begann dann der Handel. Zucker, Salz, manchmal auch ein Messer gegen getrocknete Kräuter und wertvolle getrocknete Blüten. Alle Beteiligten waren auf große Fairness bedacht denn der Handel war für alle von großer Wichtigkeit. Die Jägerin Jola der Sa me Arquanas, die den Handel führte, war immer darauf bedacht, die Alte nicht zu übervorteilen. 


Mit der Zeit war das gegenseitige Vertrauen so gewachsen, dass die Frauen der Sa me Arquanas die Alte sogar mit in ihr Lager nahmen und sie dort übernachtete. Dann saßen sie alle am nächtlichen Lag
erfeuer aßen und schwatzen und die Alte brachte etwas mit, was für die Sa me Arquanas genauso wertvoll war, wie ihr Salz oder der Zucker. Nämlich Information über die Welt, deren sie entflohen waren. Die Alte fühlte sich wohl und sicher im Kreis der Jägerinnen und so wurden es meist lange Nächte, wenn sie sich im Lager befand. Sie erzählte viel und wurde mit dem einem oder anderen leckeren Stück Fleisch belohnt.

Einmal erzählte sie sehr ernst von einer Wurzel, die Wurzel der Pflanze Alraune. Diese soll eine unscheinbare Pflanze sein, die nur selten und auch dann wirklich sehr unscheinbar blüht. Doch die Eigenschaften der Wurzel der Alraune sollen so wunderbar sein, dass man den Geschichten darüber kaum Glauben schenken kann. Die Alte jedoch versicherte sehr eindringlich, dass alles, was man über diese Wurzel erzählt, wahr sei. Sie selber wäre wohl schon länger und intensiv auf der Suche nach der geheimnisvollen Pflanze. Diese Wurzel soll so mächtig sein, dass ein Stück davon ausreicht, um Körperteile nachwachsen zu lassen und sie soll sogar in der Lage sein, verschwundene Lebensjahre wieder zurückzubringen.

Die Mädchen der Sa me Arquanas ahnten wohl, dass es diese Eigenschaft der Wurzel war, was die Alte antrieb, danach zu suchen. Aber das Wunderbarste soll sein, dass, wenn die Wurzel mit einem Tropfen Blut getränkt wird, daraus eine wunderschöne immer treue Gefährtin oder ein immer treuer Gefährte wachsen soll. Dieses Wesen würde von unglaublicher Schönheit und Treue sein, dass nichts aber auch nichts es davon abbringen würde ihren Herrn oder Herrin zu dienen und zu beschützen. Natürlich erzählten die Legenden nicht nur von den wundersamen Eigenschaften der Wurzel sondern auch von den Gefahren, die auf alle lauerten, die sich der Pflanze näherten. Grauenhafte Wesen und züngelnde Schlangen würde die Pflanze bewachen.

Sulu, die Schamanin des Tribes der Sa me Arquana war von diesen Erzählungen mehr als beeindruckt. Eine Pflanze, die sogar Glieder nachwachsen lassen würde, das wäre etwas, was dem Stamm mehr als hilfreich sein würde. Natürlich träumte sie auch insgeheim von einem Gefährten, der ihr aus freien Stücken sklavisch folgen würde. Und wenn man in den Gesichtern der Mädchen lesen könnte, würde man unschwer erraten, dass sie nicht die einzige war, die diesen Traum hegte.

Schwer beeindruckt von dieser Geschichte versprachen die Sa me Arquanas, Augen und Ohren offen zu halten, um die geheimnisvolle Pflanze ausfindig zu machen.

Sulu, die Schamanin, hatte lange nachgedacht und sich dann entschlossen diese Wurzel zu suchen. Alle Eigenschaften der Wurzel schienen ihr so erstrebenswert, dass die Suche einfach begonnen werden musste. Aber wo beginnen? Nun sie hatte sich entschlossen einen ersten Versuch im Talunaland bei den Pyrana zu machen, ein alter Stamm von Talunas, die sich früher erbitterte Kämpfe mit den Arquanas geliefert hatten. Aber das war lange her. Irgendwann obsiegte die Vernunft und man kam überein sich in Freundlichkeit zu begegnen. 

Es war ein langer Weg der durchaus vorbereitet sein wollte. Wasser und Trockenfleisch mussten zusammengepackt werden. Doch konnte sie dann eines Abends ans Tor der Pyrana klopfen. Die öffneten freundlich, die Frauen setzten sich ans Feuer und begannen zu palavern. Die Pagaschale kreiste und Neuigkeiten wurden ausgetauscht. Aber zu Sulu's großer Enttäuschung wussten die Pyranas nichts über die Pflanze. Das einzige was sie erreichen konnte war, dass die Pyranas versprachen, Augen und Ohren offenzuhalten. Nun, es war ein erster Versuch und Sulu hatte sich schon gedacht, dass es eine lange Suche werden würde. Auch die Alte war ja schon lange auf der Suche.

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Das Spiel:

Die Wurzel der Alraune ist der Versuch eines Rollenspiels mit offenen Ende. Wir werden weder eine Wurzel verstecken noch eine geheime Regie haben. Die Teilnehmer selber bestimmen die Richtung und die Ereignisse des Spiels.

Zu den Spielregeln: 

Die Geschichte und die Spielregeln werden in der Gruppe Sa Me Arquana veröffentlicht, somit sind vorrangig die Sa Me Arquana eingeladen, das heißt aber nicht, das nicht auch andere Personen oder Gruppen Einfluss auf den Fortgang des Spieles nehmen können.

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Text: Sulu Nurmi
Fotos: Sammy Davies